Vom
7. Dezember 2002 bis zum 8. Januar 2003 hatten wir das große Vergnügen eine
Gastschülerin aus Südafrika bei uns aufzunehmen. Ihr Name ist Marelie
Terblanché und sie lebt eigentlich auf einer Farm in der Nähe von Bethlehem
(Free State) im mittleren Osten von Südafrika.
Sie
ist uns in den vier Wochen ihres Aufenthaltes bei uns wirklich ans Herz
gewachsen und wir sehen sie wie eine zweite Tochter, die leider 11 Flugstunden
entfernt lebt.
Als wir Marelie am 7. Dezember
vom Erfurter Bahnhof abholten, war es für sie doch ein kleiner "Kälteschock".
Immerhin waren es doch so um die - 8°C. Nachdem wir Marelies sehr
umfangreiches und schweres Gepäck im Auto verstaut und einen der raren Plätze
in einem Parkhaus ergattert hatten, nutzten wir dann gleich die
Gelegenheit und besuchten den Erfurter Weihnachtsmarkt. Marelie war von
der schönen und alten Innenstadt Erfurts begeistert. Auf dem Weichnachtsmarkt
hat sie dann endlich ihre erste Thüringer Bratwurst gegessen. (Die kennt man
sogar in Südafrika!)
Nach einem ausgiebigen Stadt-
und Einkaufsbummel ging es dann nach Zella-Mehlis. Marelie musste sich dabei
erst einmal an den Rechtsverkehr und Geschwindigkeiten jenseits der 200 gewöhnen.
Zu Hause angekommen, führten wir sie zuerst in ihr Heim für die nächsten
vier Wochen ein, dann packte sie Geschenke aus. Weihnachten fing für uns
schon drei Wochen vorher an! Uns war dann auch klar, warum ihre Tasche so
schwer war. Nach einem ersten Abtasten (in dem Gewühl in Erfurt war das noch
nicht so richtig möglich) fand dann ein langer und erlebnisreicher Tag sein
Ende.
(Am Anfang habe wir mit Marelie
noch relativ viel englisch gesprochen. Nach ca. zwei Wochen legte sich das
aber, und bis auf ganz wenige Ausnahmen wurde deutsch geredet.)
Den anschließenden Sonntag
nutzten wir zu einem Ausflug in unsere schöne Thüringer Landschaft. Da es
sehr kalt war, war die gesamte Landschaft wie weiß gepudert. Das hat Marelie
natürlich sehr fasziniert, ganz besonders der Blick von unserem Hausberg (Ruppberg,
866 m) über den Thüringer Wald und auf die umliegenden Ortschaften. Auch der
Besuch der Oberhofer Sprungschanzen war sehr interessant für sie, da sie so
was noch nie gesehen hatte.
Bei
- 12° C auf dem Ruppberg. Wenn man zwei Tage vorher noch im Hochsommer von
Südafrika
war, kann das schon ein ganz schöner Schock sein.

Herzlich willkommen am Fuß des Ruppbergs Marelie!

Kurz vorm Gipfel...
In der darauffolgenden Woche
stand dann der Schulbesuch an. In Jennys Klasse wurde sie mit offenen Armen
empfangen und hat dort auch einige neue Freunde gefunden. In manchen Fächern
hat ihr die Schule wohl nicht so richtig Spaß gemacht (z.B. Französisch,
wenn man die Sprache halt nicht versteht, ist das wohl klar), so dass sie die
Schule teilweise nur stundenweise besuchte. Dabei stellte sich heraus, das sie
doch recht selbstständig ist. Sie kannte recht schnell ihre Wege und unseren
öffentlichen Nahverkehr.
In der restlichen Zeit hat sie
recht viel mit meinen Eltern unternommen, da Kerstin und ich bis 20. Dezember
arbeiten mussten und Jenny leider am Anfang der zweiten Woche krank wurde. So
hat sie auch gleich noch "Ersatz-Großeltern" gefunden. Meine Eltern
haben aber auch wirklich "einen Narren an ihr gefressen".
Am Samstag der ersten Woche
fuhren wir nach Nürnberg. Zuerst besuchten wir den Christkindlesmarkt und
schauten uns Nürnberg lange von der Burg aus an. Abends gingen wir in ein
Konzert von J.B.O.. Das war wohl ein bisschen heavy für Marelie, zumal die
Texte alle deutsch sind und sie sie dadurch nicht wirklich viel verstanden
hat. Sie hat aber auch das klaglos "ertragen". Danach ging's dann
wieder nach Hause, wo wir so gegen drei ankamen.

Gleich geht das große Gewühl auf dem Christkindlesmarkt los...
Der Sonntag war dann recht häuslich,
wir habe zusammen Plätzchen gebacken und hatten jede Menge Spaß.
(Marelie hat während ihres
Aufenthalts wo es nur ging im Haushalt mitgeholfen und uns auch einige Male
bekocht. Wir konnten der südafrikanischen Küche durchaus etwas abgewinnen
und es sind auch ein paar Rezepte bei uns geblieben. Was wir allerdings nie
essen werden, ist Linsensuppe mit getoastetem Weißbrot mit Honig ;-). Marelie
war sehr genügsam, die einzige Ausnahme, die wir wegen ihr gemacht haben, war
das Weißbrot, dass extra für sie gekauft wurde, da sie sich mit unserem
Schwarzbrot absolut nicht anfreunden konnte. Ansonsten hat sie ungefähr halb
so viel wie Jenny gegessen und getrunken, und die isst wirklich nicht viel.)

Hier
haben wir zusammen Weihnachtsplätzchen gebacken. Was ein Spaß!!
Wir haben dann auch endlich mal
das Video angeschaut, dass sie extra für uns gedreht hat. Dadurch hat sie uns
natürlich ihre Heimat und Familie ein ganzes Stück näher gebracht. Auch
viele Gespräche mit ihr, haben unsere Ansichten über Südafrika stark verändert.
Sie ist wirklich eine gute Erzählerin. Das hatte man wohl auch in der Schule
festgestellt und sie hat in der letzten Schulwoche vor Weihnachten in allen
10. und 11. Klassen Vorträge über Südafrika gehalten. Auf diese Vorträge
hat sie sich akribisch vorbereitet. Dabei nutzte sie das Internet sehr
intensiv. Da sie von zu Hause keinen stabilen und schnellen (DSL)
Internetzugang kennt, war sie auch sehr viel am PC und konnte dadurch eine
kontinuierliche Kommunikation mit ihren Freunden und Familie aufrecht
erhalten, so dass auch nie nur eine Spur von Heimweh aufkam.
In der Woche vor Weihnachten
haben wir ihr unsere nähere Umgebung gezeigt. Wir nahmen sie auf unsere
normalen Einkaufstouren mit, besuchten Suhl und einige umliegende Orte, oder
auch mal ein Weihnachtskonzert in der Kirche. Sie war an allem sehr
interessiert und aufgeschlossen. In zahlreichen Gesprächen brachten wir ihr
die deutsche und europäische Geschichte näher. Der Spaß kam aber auch nicht
zu kurz, z.B. veranstalteten wir mal ein Dart-Turnier.

Marelie auf der Wartburg in
Eisenach. Solche alten Gemäuer hat sie noch nicht gesehen.
Tja, und dann kam Weihnachten.
Nachdem Marelie schon den Weihnachtsbaum ausgesucht hatte, durfte sie ihn dann
auch zusammen mit Jenny und Robi schmücken. Sie hatte auch einigen
selbstgebastelten Baumschmuck aus Südafrika mitgebracht, so dass der Baum mal
etwas anders aussah, als in den Jahren davor. Das ganze war für sie und uns
ein Riesenspaß.


Unsere "Weihnachstfrauen und -mann"
Zur Bescherung wurden ihre
Augen immer größer, da sich jeder von uns etwas für sie einfallen ließ.
Aber auch wir wurden reichlich von ihr beschenkt.
Das traditionelle Abendessen,
natürlich mit Thüringer Bratwurst und Kartoffelsalat, genoss auch Marelie in
vollen Zügen. Entgegen ihren sonstigen Essgewohnheiten aß auch sie eine
ordentliche Portion.
Leider hatte das Wetter nicht
mitgespielt, so dass die versprochenen weißen Weihnachten leider ausgefallen
sind. Marelie war echt traurig darüber. Selbst unser Ausflug nach Oberhof und
Gehlberg am zweiten Weihnachtsfeiertag brachte wenig weiße Pracht in Form von
Schnee zum Vorschein. Leider sahen wir das Weiß nur in Form von Nebel, so
dass auch die geplanten Ausflüge auf den Schneekopf und Großen Beerberg
keinen Sinn machten.
Am 29. Dezember machten wir uns
dann auf den Weg nach Obergurig (bei Bautzen in der Oberlausitz), um unsere
Verwandtschaft (Onkel, Cousin und Cousine) über den Jahreswechsel zu
besuchen. Auch hier wurde Marelie mit offenen Armen aufgenommen und knüpfte
enge Freundschaften, besonders mit unserer Cousine. Speziell mit deren Kindern
(11 und 13 Jahre alt) hatte sie viel Spaß.
Während unseres Aufenthalts
hatte Marelie die Chance die historische Altstadt von Bautzen und natürlich
auch Dresden zu besuchen. Insbesondere das grüne Gewölbe in Dresden und der
rekonstruierte Stadtkern von Bautzen hatten es ihr angetan.
Die größte Überraschung kam
am 30. Dezember, als es bereits mittags anfing zu schneien. So hatte sie sogar
die Möglichkeit ein Stück Ski zu fahren. Das war dann wohl auch das prägendste
Erlebnis dort.
Nach einer schöner
Silvesterparty und mehreren Geburtstagsfeiern mussten wir uns am 2. Januar
leider schon wieder auf den Heimweg machen. Der Abschied fiel wohl allen sehr
schwer, aber ich denke, Marelie wird mit den "Obergurigern" in
Kontakt bleiben.

Am
30. Dezember in Bautzen mit Siegrid (Kerstins Mutter), Uli (Kerstins Cousine),
Karli
(Ulis Mann), Kerstin und Marelie (v.l.n.r.)

Marelie das erste Mal in ihrem Leben auf Skiern

Sogar das Senkrechtstellen eines Ski klappt schon...

Unser "Schneehase" in den letzten Minuten des alten Jahres.

Prost Neujahr! Ich durfte das Schild auch mal halten,
Leider waren es dann nur noch
ein paar Tage bis zu Marelies Heimreise. Wir sichteten in dieser Zeit das
aufgenommene Videomaterial und stellten für sie ein dreistündiges Video
zusammen, dass sie sicher immer an den Aufenthalt hier erinnern wird.
Zum Abschied floss schon die
eine oder andere Träne und wir sind uns eigentlich sicher, dass wir
Marelie in zwei Jahren wieder hier begrüßen dürfen, bzw. wir sie in Südafrika
besuchen werden.
Ich könnte sicher noch viel,
viel mehr über diese vier tollen Wochen erzählen, doch das würde dann
sicher schon Buchform annehmen. Ich denke aber, dass man an der kurzen
Schilderung erkennen kann, dass wir alle große Freude an und mit Marelie
hatte.
Ach
ja, wer sich auch für den Schüleraustausch mit Südafrika interessiert klickt
einfach mal auf die Homepage
von
FSA Youth Exchange.